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Grenzen des Wachstums - wie alles begann

Dr. J. Rennie Whitehead, einer der Gründer der Kanadischen Gesellschaft des Club of Rome (Canadian Association of the Club of Rome (CACOR)), beschreibt die Anfänge von "Die Grenzen des Wachstums":

„Im Juni 1970 hielt der Club of Rome sein erstes förmliches Jahrestreffen in Bern, Schweiz. Nach längerer, z.T. fruchtloser Diskussion, machte Professor Jay Forrester vom MIT (= Massachusetts Institute of Technology) einen konkreten Vorschlag. Er hatte vorher mehrfach mit Dr. Aurelio Peccei (Anmerkung: damals Mitglied der Firmenleitung von Fiat und Olivetti, Präsident von Italconsult, Vorsitzender des Exekutivkomitees des Club of Rome) im MIT, und er gelangte mehr und mehr zu der festen Überzeugung, dass seine Technik, bekannt als "Industrial Dynamics" (= Dynamik industrieller Systeme), die sie erfolgreich auf komplexe industrielle Probleme anwandten, angepasst werden könnte, um die Dynamik der Weltentwicklung zu modellieren. Sie nannten es um in "Systems Dynamics" (= Dynamik komplexer Systeme) auf Vorschlag von Eduard Pestel, der zustimmte, der Volkswagen Stiftung einen Vorschlag für ein Forschungsvorhaben zu unterbreiten. (...)

Der Rest ist Geschichte. Ein 28 Jahre alter Forscher, Dennis Meadows, wurde für das Projekt eingestellt. Der Club of Rome hielt im April 1971 sein zweites jährliches Treffen im Seignorie Club in Montebello, Canada, ab. (...) Dennis Meadows präsentierte uns seinen Plan und gab einen Zwischenbericht, der bei allen gut ankam. Ein paar Monate später, im Frühjahr 1972, wurde das Buch "Limits to Growth" (= Grenzen des Wachstums) veröffentlicht. Der Stil und die Klarheit der Präsentation des Materials in diesem Buch ist zum großen Teil der herausragenden Arbeit von Dennis Meadows' damaliger Frau Donella zu verdanken.

"Die Grenzen des Wachstums" basierte auf dem Modell der "Dynamik komplexer Systeme" (= "Systems Dynamics") einer homogenen Welt. Es berücksichtigte die Wechselwirkungen zwischen Bevölkerungsdichte, Nahrungsmittelressourcen, Energie, Material und Kapital, Umweltzerstörung, Landnutzung und so weiter. In diesem Modell wurden eine Reihe von Szenarien entwickelt, mittels Computersimulation und basierend auf der Entwicklung verschiedener hypothetischer "stabilisierender" politischer Maßnahmen. Die Ergebnisse waren immer ähnlich: ein katastrophaler Abfall in der Weltbevölkerung und dem Lebensstandard innerhalb von 50 bis 100 Jahren, wenn die gegenwärtigen Trends anhielten.

Die Tatsache, dass "Grenzen des Wachstums" die Welt als Ganzes betrachtete, ohne eine separate Behandlung verschiedener Regionen oder Länder, vereinfachte das Modell bewusst, aber diese Über-Vereinfachung war notwendig, um überhaupt ein Modell innerhalb eines vernünftigen Zeitraumes zu erhalten. Weil dieser Ansatz so stark vereinfacht war, wurde er natürlich auch vielfach kritisiert,(...) so z.B. als "unwissenschaftlich". (...) De facto hatte die "Grenzen des Wachstums"-Studie aber nur ein paar Szenarien entworfen von den Dingen, die sich ereignen könnten, wenn wir nicht unser Verhalten auf einer globalen Ebene änderten. Es war kein Vorhersage-Dokument.

Was die Kritiker übersahen, ob wissenschaftlich oder nicht, war, dass "Grenzen des Wachstums" genau das schonungslose Instrument war, das man benötigte, um die Aufmerksamkeit der Welt zu erregen. Ironischerweise war "Grenzen des Wachstums", obwohl nur eines einer Vielzahl von Projekten, die der Club of Rome damals förderte, das Projekt, das in der Öffentlichkeit am engsten mit dem Club identifiziert wurde. Konsequenterweise wurde der Club, anstatt dass man ihm zur Förderung einer derartig neuen, unabhängigen Studie gratulierte, bei jeder Gelegenheit, insbesondere in Großbritannien und den USA, für die Grenzen des Meadowsschen Ansatzes und seine angebliche "Jüngstes Gericht"-Botschaft kritisiert.

(...) "Grenzen des Wachstums" verkaufte nur einige Zehntausend Exemplare in Amerika, aber es verkaufte Millionen in übervölkerten Ländern wie Niederlande oder Japan. Es wurde in etliche Sprachen übersetzt.

Anfang der 70er Jahre löste Aurelio Pecceis Initiative einen Schneeball-Effekt aus. Seit diesen frühen Tagen hat der Club of Rome beinahe jedes Jahr eine Vollversammlung, oft finanziert von der Regierung des gastgebenden Landes, und er hat sich weiter ausgebreitet nach u.a. Japan, Venezuela, Deutschland, dem ehemaligen Jugoslawien und den Mittleren Osten. Die Ergebnisse von Studien, der er katalysiert und gefördert hat, wurden in den vielen Büchern unter der Förderung des Club of Rome veröffentlicht.

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